Arrival of the Fittest – Andreas Wagner

Darwins Evolutionstheorie basiert darauf, dass Individuen einer Population sich voneinander unterscheiden. Diese Unterschiede resultieren in abweichendem Fortpflanzungserfolg – der schlechter Angepasste wird aussortiert, der besser Angepasste setzt sich durch und vorteilhafte Neuerungen werden durch natürliche Selektion erhalten. Survival of the fittest wurde das bereits zu Zeiten Darwins genannt. Wovon man aber Mitte des 19. Jahrhunderts noch keine Ahnung haben konnte, war, woher die Variationen innerhalb einer Population kamen und wie diese kleinen Veränderungen zu großen Innovationen führen können. Was die Biologie hierzu mittlereile herausgefunden hat, erklärt der Evolutionsbiologe Andreas Wagner in seinem Buch Arrival of the Fittest – Wie das Neue in die Welt kommt.

arrivalofthefittest
Wagner erforscht Evolution anhand von drei Kategorien: Stoffwechsel, Proteine und Genregulation. Gemein ist allen drei Dingen, dass viele kleine Veränderungen, die durch Mutationen der DNA entstehen, die Funktionalität erstmal nicht einschränken, sondern der Prozess stabil bleibt. Proteine bestehen beispielsweise aus Aminosäuren, die aneinander gehängt sind. Wird eine Aminosäure gegen eine andere ausgetauscht, macht das in vielen Fällen nicht viel aus und das Protein beibt funktionsfähig. Was Wagner und seine Kollegen anhand von Experimenten und Computeranalysen herausfanden, ist, dass diese neutralen Veränderungen, die sich mit der Zeit anhäufen, Innovationen wahrscheinlich machen, die vorher nicht möglich waren. Ein neuerlicher, kleiner Aminosäureaustausch – eine Mutation – kann nun beispielsweise eine veränderte Funktion des Proteins nach sich ziehen. Dies wäre ohne die vorhergehenden neutralen Mutationen nicht möglich gewesen.

Die Evolution stolpert quasi von neutraler Mutation zu neutraler Mutation, bis eine kleine Veränderung tatsächlich größere Auswirkungen hat, welche dann von der natürlichen Selektion in einer Population fixiert werden können. Wagner beschreibt anschaulich mit Beispielen aus seiner eigenen Forschungstätigkeit, wie die Arbeit von Evolutionsbiologen inzwischen auch aussehen kann: aus einem Zusammenspiel von Laborexperimenten und aufwändigen und umfassenden Computersimulationen.

Wagners Schreibstil ist angenehm zu lesen, seine Erklärungen sind durchweg verständlich und mit vielen Beispielen illustriert. Wer also etwas über moderne Evolutionsbiologie im Schnittpunkt zwischen Molekularbiologie, Genetik und Systembiologie erfahren möchte, wird hier bestens bedient!

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3 Kommentare

  1. Nach „Darwins Peepshow“, bei dem es eher um den „Vollzug“ der Evolution ging, habe ich mir auf Schilthuizens Empfehlung hin Dawkins „Das egoistische Gen“ geschnappt, bin aber etwas enttäuscht, weil es da ja wirklich „nur“ um Gedankengebäude und Theorien geht.
    Ich glaube „Arrival of the fittest“ wäre eine bessere Anschlusslektüre, hört sich auf jeden Fall etwas „praktischer“ an.

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