Die Vermessung des Universums – Lisa Randall

Mit Die Vermessung des Universums von Lisa Randall habe ich mich mal wieder an ein Buch gewagt, in dem es um Teilchenphysik geht und das mir die Frage beantworten sollte, „wie die Physik von morgen den letzten Geheimnissen auf der Spur ist“, wie es im Untertitel des Buches so schön heißt.

dievermessung desuniversumsLisa Randall ist eine sehr erfolgreiche theoretische Physikerin und versucht mit diesem Buch zum einen zu erklären, wie Wissenschaft prinzipiell abläuft, und zum anderen zu veranschaulichen, wie die derzeitige, konkrete Suche nach neuen Teilchen vonstatten geht.  Dementsprechend erfährt man zunächst einiges über Wissenschaftsgeschichte und -theorie, angefangen mit Galileo über Newton zu Einstein. Leider fallen diese Passagen meiner Meinung nach recht trocken und abstrakt aus. Einige farbigere Beispiele hätten das Lesen hier erleichtert.

Allerdings gefiel mir ein Satz unglaublich gut, weil er pointiert ausdrückt, was mich an Naturwissenschaft so begeistert: „Die Naturwissenschaft stellt den Inbegriff für kreative Unternehmungen in einem beschränkten Umfeld dar“. Auch wenn es vielen vielleicht nicht klar ist, aber Wissenschaftler zu sein bedeutet häufig, kreativ zu arbeiten. Man denkt sich möglichst elegante Experimente aus, um interessante Fragen zu beantworten. Gleichzeitig ist man aber auch immer limitiert, da Resultate prinzipiell den Weg weisen und die Möglichkeiten einschränken. Abgesehen davon, dass technisch einfach nicht alle Experimente machbar sind und Wissenschaftler mit diesen Hindernissen umgehen müssen.

Stark ist das Buch, wenn es um den Large Hadron Collider (LHC) am CERN geht. Dieser Teilchenbeschleuniger hat 2012 nach langer Suche endlich das Higgs-Boson gefunden, ein Teilchen, das dafür verantwortlich ist, anderen Teilchen, mit denen es wechselwirkt, Masse zu verleihen. Randall erklärt, wie der Bau der größten je gebauten Maschine ablief, wie die gigantischen Detektoren aufgebaut sind und auf welchen Prinzipien und Mechanismen der Nachweis von Teilchen beruht. In meiner Ausgabe von 2013 gibt es auch noch ein Zusatzkapitel, wie die Entdeckung des Higgs-Teilchens ablief. Für mich als Laie war es ab und an etwas zu technisch und ich habe nicht alles verstanden – war aber kein Problem, es war in jedem Fall toll, einen derartigen Einblick zu erhalten.

Der LHC hat aber auch für viele Diskussionen gesorgt, weil manche Leute befürchteten, die Energien der Teilchenkollisionen könnten ausreichen, um kleine schwarze Löcher zu erzeugen, die dann die Erde in sich aufsaugen. Randall erklärt recht ausführlich, dass das nicht so funktioniert und derartige Bedenken nicht gerechtfertigt sind – und bisher existiert die Erde ja auch noch… Im Zusammenhang mit diesem Thema geht es auch ziemlich lang darum, wie man eine korrekte Risikoabschätzung vornimmt. Und ständig kommen Vergleiche mit dem Finanzwesen und seinen Krisen und dass man hier die Risiken nicht richtig eingeschätzt hat. Diese Passagen fand ich ziemlich deplatziert und hätte es meiner Ansicht nach nicht gebraucht.

Deutlicher besser wiederum sind die Abschnitte, die thematisieren, wie der LHC zur Erklärung dunkler Materie beitragen könnte und zu was er noch alles nütze sein soll, nachdem das Higgs-Teilchen inzwischen ja nachgewiesen wurde.

Insgesamt ist mein Eindruck vom Buch zwiegespalten. Einerseits habe ich noch kein Buch gelesen, dass die konkrete Arbeit von Teilchenphysikern so anschaulich beschreibt. Andererseits fand ich das Buch eher schwach, wenn es diese Thematik verlässt. Es hätte mir jedenfalls besser gefallen, wenn Randalls Buch etwas schlanker geworden wäre und sich auf die Suche nach neuen Teilchen fokussiert hätte.

 

 

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2 Kommentare

  1. Mit diesem Buch gab es mal eine Leserunde mit Freistetter auf seinem Astrodictium-Simplex-Blog. Ich war ein stiller Mitleser, hätte aber wahrscheinlich nicht durchgehalten, wenn ich nicht die Kommentare im Blog dazu gelesen hätte.
    Ich hoffe jetzt wenigstens ansatzweise einen Hauch von Ahnung zu haben, was und vor allen Dingen warum die in Cern machen, was auch immer sie da machen! Vielleicht, eines fernen Tages, werde ich etwas mehr verstehen und dann das Buch nochmal zur Hand nehmen!

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  2. Ich hatte auch ab und an Probleme dran zu bleiben, vor allem wenn’s grad nicht um den LHC ging. Aber es war wohl auch das falsche Buch zur falschen Zeit. Nachdem ich derzeit nicht so zum Lesen gekommen bin, war das irgendwie zu schwere Kost… Aber langsam wird’s wieder besser und jetzt ist mal wieder ein Roman dran 🙂

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