Anathem – Neal Stephenson

In einem Kosmos und einer Welt, die unserer sehr ähnelt und sich doch unterscheidet, lässt Neal Stephenson seinen Roman Anathem spielen. In einer klosterähnlichen Umgebung, die nur selten Kontakt mit ihrer Umwelt hat, wird das Wissen gepflegt und Philosophie betrieben. Bis irgendetwas am Himmel vor sich geht, die Teleskope nicht mehr benutzt werden dürfen und immer mehr Avots – so nennen sich die Bewohner des Klosters – aus ihrer Isolation abberufen werden und in der Außenwelt tätig werden müssen.

anathemDas Buch ist aus der Sicht des Avot Erasmas oder kurz Raz erzählt. Es beginnt sehr langsam, indem ausführlich sein Alltag beschrieben wird, der aus Unterricht, Diskussionen und täglichen Ritualen der Gemeinschaft besteht. Alles ist sehr beschaulich und gemächlich, bis die Nutzung der Teleskope untersagt wird und immer mehr von Raz‘ Lehrern und Freunden das Kloster verlassen müssen. Und schließlich ist auch Raz selbst an der Reihe. Ich will gar nicht verraten, wohin es ihn verschlägt und was da am Himmel eigentlich los ist. Aber die Geschichte der Menschheit im Roman ist um vieles älter als die echte. Ein Atomkrieg liegt bereits um Jahrtausende zurück. Geht es also um alte Satelliten, die vielleicht noch mit Waffen bestückt sind? Stimmt etwas mit der Sonne nicht?

Es beginnt eine wilde Schnitzeljagd über den halben Planeten, durch die man auch einiges über die Geschichte dieser fremden Welt erfährt. Wer dort die Einsteins und Freuds waren. Wie dort philosophische, wissenschaftstheoretische und naturwissenschaftliche Fragestellungen gesehen werden. Zudem ist immer wieder das Spannungsfeld zwischen Wissenschaft und Religion ein Thema – denn auch wenn die Avots in einer klosterähnlichen Umgebung leben, glauben die meisten dort nicht an Gott. Und schließlich erfährt man natürlich auch, weswegen so viele das Kloster verlassen müssen und die Teleskope nicht benutzt werden dürfen.

Herausragend am Buch fand ich, wieviele Ideen eine Rolle spielen. Vom Konzept von Gardans Waage, die am ehesten Occams Rasierklinge entspricht, bis zur Viele-Welten-Interpretation der Quantenmechanik (Neal Stephenson hat auf seiner Homepage eine erweiterte Danksagung verfasst, die einen Eindruck seiner diversen Einflüsse vermittelt) – alles spielt in diesem Buch eine Rolle, das eine Mischung aus historischem Roman, Fantasy, Science-Fiction und philosophischer Abhandlung ist. Zugegeben, an einigen Stellen hat es Längen und es ist mit knapp eintausend, eng beschriebenen Seiten nicht gerade kurz. Aber es ist auch sehr originell und unterhaltsam. Deshalb bin ich mir auch sicher, dass ich mir Stephensons neuen Schmöker Amalthea, der im November erscheint, auch ansehen werde!

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6 Kommentare

  1. Ich mag Stephenson auch, habe ihn mit Cryptonomicon kennengelernt und eines meiner Lieblingsbücher von ihm ist Snow Crash. Allerdings habe ich das Gefühl, dass seine Bücher von mal zu mal komplizierter werden. Anathem war mir fast schon ein wenig zu abgehoben, aber Amalthea werde ich auf jeden Fall noch lesen (man wächst ja schließlich mit seinen Aufgaben, oder ;-)).

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  2. Die anderen Bücher sind eher so Cyberspace und Hackerkram oder? Da bin ich mir nicht sicher, ob’s was für mich wäre. Und ja, Anathem ist teilweise schon harte Kost, die sich aber lohnt, wie ich finde 🙂

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  3. Anathem ist wirklich eines der besten Bücher die ich bisher gelesen hab.
    Der Rest von Stephenson, wie z.B. Cryptonomicon hat mir dann doch viel weniger gefallen.
    Komplett anderer Stil.
    Aber Amalthea klingt wieder sehr interessant. Freu mich schon drauf.

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