Bongos, Respektlosigkeit und das CalTech…Richard Feynman (Teil I)

Wissenschaftler sind ja laut Klischée ziemlich langweilige Typen. Wenn man sich aber mal mit ein paar Biografien von Forschern beschäftigt, wird man merken, dass da coole Leute dabei waren. Egal ob man zeitlich etwas weiter zurückgeht und sich die abenteuerlichen Reisen durch den Amanzonas und den malaiischen Archipel von Alfred Russel Wallace ansieht, der zusammen mit Darwin die Evolutionstheorie entwickelte, oder in der Gegenwart das Leben von J. Craig Venter betrachtet, der sich auf dem Weg zur Sequenzierung des menschlischen Genoms mit der halben Welt der Molekularbiologie angelegt hat – allesamt interessante Biografien! Es ist gerade das Internationale Jahr des Lichts, also habe ich mich mal mit einem Menschen beschäftigt, der für die Erforschung des Lichts wirklich wichtig war und der außerdem noch ein außergewöhnliches Leben geführt hat: Richard P. Feynman (1918- 1988).

Feynman beschreibt einige Anekdoten aus seinem Leben in dem Buch „Surely you’re joking, Mr. Feynman“ (auf deutsch erhältlich unter dem Titel „Sie belieben wohl zu scherzen, Mr. Feynman“). Feynman hatte einen respektlosen Charakter, der Autoritäten ständig in Frage stellte. Physik war für ihn deshalb die perfekte Beschäftigung:

„Naturwissenschaft ist der Glaube an die Unwissenheit der Experten.“

In diesem Zusammenhang zählte für ihn lediglich das Experiment und was es uns über die Natur verrät. Nach seinem Studium der Physik war er während des Zweiten Weltkriegs am Bau der Atombombe beteiligt und machte sich in Los Alamos mit seinen diversen Streichen und dem Knacken der Safes seiner Kollegen schnell einen Namen als Spaßvogel. Zu dieser Zeit musste Feynman aber auch einen schweren Schicksalsschlag hinnehmen, als seine erste Frau an Tuberkulose starb.

Surely you're joking, Mr. Feynman - Richard Feynman

Surely you’re joking, Mr. Feynman – Richard Feynman

Feynman hatte Forschungsaufenthalte in Brasilien, wo er das Bongospielen erlernte und ganz offiziell am Karneval teilnahm. Er besuchte Regelmäßig Nachtclubs, um Akte zu malen – er hat es sogar geschafft, einige davon zu verkaufen. Außerdem hatte er offensichtlich Probleme, mit den Standorten seiner Forschungsinstitute zurecht zu kommen. Er lehrte zunächst an der Cornell Universität im Staat New York. Da war’s ihm zu kalt. Er wechselte ans CalTech in der Nähe von LA. Da gab’s für ihn zu viel Smog. Also bat er Anfang der Fünziger Jahre die Cornell Uni ihn wieder zurück zu nehmen. Als das schon fast unter Dach und Fach war, passierte ihm etwas wirklich Bemerkenswertes, um das ich Feynman beneide.

Es gab damals das Problem, dass man das Alter der Erde auf über vier Milliarden Jahre schätzte. Paradoxerweise ergaben die Berechnungen zum Alter des Universums drei Milliarden Jahre. Die Erde war älter als das Universum, in dem sie sich befand. Die Rechnungen basierten auf der Annahme, dass es nur einen Typ von Sternen gab – Walter Baade fand heraus, das dies falsch war. Das Universum wurde auf einen Schlag mindestens doppelt so alt. Das wurde Feynman im CalTech mal eben im Gang erzählt. Er ging ein paar Schritte und traf dann Matthew Meselsohn. Meselsohn erzählte Feynman, dass er zusammen mit Franklin Stahl herausgefunden hat, wie DNA vervielfältigt wird. Sie konnten nachweisen, dass ein Strang der DNA komplett erhalten bleibt und im Gegensatz dazu der neue Strang aus neuen Bausteinen hergestellt wird. Der Versuch ist unter dem Namen Meselsohn-Stahl-Experiment jedem Schüler im Biologie-Leistungskurs ein Begriff (hoffentlich zumindest…).

Nach diesem Erlebnis war sich Feynman sicher, dass das CalTech die richtige Umgebung für ihn war. Er sagte der Cornell University wieder ab und entschied sich ein für allemal dafür, für immer dort zu bleiben (was er dann auch tat). Ebenso wie er schon einmal entschieden hatte, nie mehr über die Wahl seines Nachtisches nachzudenken. Es sollte einfach immer Schokoladeneiscreme sein.

1965 erhielt Feynman den Nobelpreis in Physik. Er wollte ihn zunächst ablehnen, da er das ganze Aufhebens um seine Person vermeiden wollte. Er nahm ihn schließlich doch an, da man ihn überzeugen konnte, dass die Aufregung viel größer wäre, wenn er als erster nicht annehmen würde. Ganz glücklich mit dem Titel Nobelpreisträger war er aber oftmals nicht. Er gab gerne Vorlesungen über Physik im kleinen Rahmen an Schulen und Unis. Nachdem er aber eine Berühmtheit war, wurde aus dem kleinen Rahmen eine Hundertschaft an Zuhörern. Um das zu vermeiden, wurden die Vorträge mit einem kruden Thema angekündigt, über das ein gewisser Prof. Warren sprechen sollte. Dazu kamen sowieso nur die wirklich Interessierten, die Feynman als Zuhörer haben wollte. Als es dann soweit war, erzählte Feynman, dass Prof. Warren nicht kommen konnte und er dafür einspringt.

Feynman war ein außerordentlicher Charakter mit viel Humor, der ein abwechslungsreiches Leben geführt hat. Wie Feynman die Naturwissenschaft und die Gesetze sieht, die sie entdeckt, beschrieb er in einer Vorlesungsreihe, die auch als Buch erschien: „Vom Wesen physikalischer Gesetze“, um das es in Teil II gehen soll. Und Teil III behandelt dann schließlich Feynmans Buch „QED“ zur Theorie des Lichts und der Materie – für seine Beiträge zu diesem Thema erhielt er auch den Nobelpreis.

 

 

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4 Kommentare

  1. Ich habe das Buch im April 2013 gelesen. Die Ausschnitte aus seinem Leben lesen sich eher wie eine Charakterstudie denn eine Biografie. In guter Erinnerung ist mir die Umleitung der Ameisenstraße gebleiben, in schlechter, wie er über Frauen dachte:“Hübsch müssen sie sein, sonst nichts.“
    Seine Experimente und Entdeckungen kommen in diesem Buch etwas zu kurz, dafür erfährt man aber, dass Feynman ein richtiger Tausendsassa war!
    Alles in allem, sehr interessante Einblicke… oder sollte ich besser sagen, Lichtblicke? 😉

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  2. Ja, wie gesagt ist es eher eine Sammlung von Anekdoten. Feynman hatte sicher streitbare Ansichten, er hielt auch nicht so viel von den Geisteswissenschaften, wenn ich mich richtig erinnere. Muss man auch nicht gut finden. Seine Einstellung zu Frauen hab ich jetzt irgendwie nicht mehr aufm Schirm. Außer dass er immer ins Krankenhaus zu seiner kranken Frau per Anhalter gefahren ist. Letztens hab ich gelesen, dass diese Story auch verfilmt wurde („Infinity“). Hab den Streifen aber nicht gesehen…

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