Eine kurze Geschichte von fast allem – Bill Bryson

Bill Brysons „Eine kurze Geschichte von fast allem“ wurde bereits 2004 zum Wissenschaftsbuch des Jahres gewählt und trotzdem habe ich es erst jetzt gelesen. In dem Buch geht es um sehr viel unterschiedliche Dinge – eben fast alles – wie Geologie, Biologie, Physik oder Meteorologie. Ursprünglich dachte ich, dass Bryson überwiegend erklärt, was wir über die Welt wissen. Darum geht es aber nicht hauptsächlich. Vielmehr liegt der Schwerpunkt darauf, wie man bestimmte Dinge herausgefunden hat. Und wer an den Entdeckungen beteiligt war. Überraschenderweise hielt ich eine wirklich amüsant zu lesende Geschichte der Wissenschaft in Händen.

Eine kurze Geschichte von fast allem - Bill Bryson

Eine kurze Geschichte von fast allem – Bill Bryson

Was bei mir nach der Lektüre am stärksten nachwirkte, waren vor allem die Annekdoten über Wissenschaftler. Angefangen bei Pfarrer William Buckland, der im 19. Jahrhundert bei seinen geologischen Feldstudien im Professorentalar unterwegs war und seinen Gästen bei Abendgesellschaften gerne mal Meerschweinchen, Mäuse oder Igel auftischte. Auch wenn ihn Darwin offensichtlich nicht sehr ernst nahm und als Hanswurst bezeichnete, hatte er großen Einfluss auf Charles Lyell, den er dazu brachte, sich komplett der Geologie zu widmen. Das hat sich auf jeden Fall gelohnt, schließlich wurde Lyell zum wichtigsten „Steineklopfer“ seiner Zeit. Oder als Bryson in einem Museum einem Mann begegnet, der über 42 Jahre Johanniskraut untersucht, seit 1989 pensioniert ist und trotzdem noch einmal die Woche vorbeischaut, um zu forschen. „Offensichtlich ist er sehr gründlich.“ Kann man wohl so sagen.

William Buckland im Alter von 59 Jahren. In dem Beutel sammelte er Fossilien. Bild: gemeinfrei.

Über den Begründer der modernern biologischen Systematik, Carl von Linné, konnte ich auch (für mich) Neues erfahren. Er war wohl ein recht eitler Typ, der oft damit beschäftigt war, Lobreden auf sich selbst zu verfassen. Und gegen Kritik wusste er sich auf originelle Weise zu wehren: nach dem Kritiker wurde ein unliebsames Unkraut benannt.

Das Buch ist aber auch gespickt mit überraschenden Fakten. Schwarze Raucher sind hydrothermale Quellen tief am Meeresgrund, aus denen Material aus dem Erdinneren austritt. Man hat herausgefunden, dass es dort nur so von Leben wimmelt, dessen Grundlage die Chemosynthese ist – also die Gewinnung von Energie aus dem ausgestossenen Schwefel zum Beispiel (im Gegensatz zur Photosynthese, bei der die Energie aus Licht gewonnen wird). Wo die Quellen austreten, ist es sehr heiß und in der übrigen Umgebung am Meeresboden ist es sehr kalt. Ich habe mir aber noch nie darüber Gedanken gemacht, wie extrem dieser Gegensatz ist und was das für manche Lebewesen bedeutet. Bryson schreibt, dass Würmer namens Alvinellide einen Temperaturunterschied von 80°C aushalten. Um so viele Grad ist das Wasser am Kopf des Wurms wärmer als an seinem Schwanz. Leben kann überraschend robust sein…

Würmer, die an einem schwarzen Raucher leben. Bild: gemeinfrei.

Immer wieder weist Bryson aber auch darauf hin, wie wenig wir manchmal wissen. Wir haben die Oberfläche unserer Erde kaum angekratzt und besitzen nur geringe Kenntnisse über die vielen Prozesse, die sich unter unseren Füßen abspielen. Wir haben im Grunde keine Ahnung, wie viele Spezies auf der Erde leben – und wie viele davon jede Woche für immer verschwinden. Die Erde und das Universum sind unglaublich komplex – wir werden vermutlich niemals alles wissen. Nichtsdestrotz ist es beeindruckend, wie viel wir schon herausgefunden haben. Außerdem sollte man sich von der Kompliziertheit unserer Welt auch nicht entmutigen lassen, wie Bryson so schön schreibt:

„Wir leben auf einem Planeten mit dem mehr oder weniger unendlichen Potential, uns immer wieder zu überraschen. Welcher vernünftige Mensch könnte sich etwas Schöneres vorstellen?“

PS. Immer wieder hat mich die Lektüre an die TV-Serie Unser Kosmos mit Neil deGrasse Tyson erinnert. Die Serie ist wirklich sehr gut gemacht und lohnt auf jeden Fall ebenso wie Brysons Buch!

 

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