The Big Bang Theory und die Philosophie – William Irwin, Dean A. Kowalski (Hrsg.)

Mit Philosophie habe ich mich bisher eher selten beschäftigt. Zur philosophischen Lektüre in meinem Bücherregal würde ich vielleicht die Bücher von Daniel Dennett oder The Blank Slate von Steven Pinker zählen. Ansonsten ist Philosophie bisher leider an mir vorrüber gegangen… Im Buchladen bin ich aber letztens auf The Big Bang Theory und die Philosophie gestoßen. Der Klappentext verspricht, dass man auf amüsante Art und Weise etwas über philosophische Themen lernt, und zwar anhand der Charaktere und Geschichten der Sitcom The Big Bang Theory (BBT). Das wollte ich mir dann doch nicht entgehen lassen…

Worum’s in TBBT geht, setze ich hier einfach mal voraus. Für Leute, die die Serie nicht kennen, ist das Buch sowieso eher ungeeignet. Das englische Original des Buches ist von 2012 und anscheinend auf dem Stand des Endes von Staffel 4. Es besteht aus insgesamt 17 Artikeln verschiedener Autoren, die mehrere Aspekte der Serie zum Anlass nehmen, philosophische Probleme zu erläutern.

bbtAusgangspunkt der meisten Artikel ist im Grunde Sheldon, der eine ganze Menge Probleme hat, sich in seiner Umwelt zurechtzufinden und mit ihr zu interagieren. Er versucht, einen Freundschaftsalgorithmus zu entwickeln, versteht keinen Sarkasmus und hadert ständig mit seiner fundamental-religiösen Mutter. Er bietet sich deshalb natürlich geradezu an, ihn zu analysieren.


Sheldons Mutter: „Oh, das sieht ja kompliziert aus! Was ist das?“

Sheldon: „Das ist meine Vortstellung von einem DNA-Strang einer siliziumbasierten Lebensform.“

Sheldons Mutter: „Nach dem intelligenten Design eines übergeordneten Schöpfers, richtig?“

(Aus der Episode „Die Leuchtfisch-Idee“)


Ist Sheldon zu so etwas wie Freundschaft fähig? Oder ist für ihn jede Art von zwischenmenschlicher Beziehung zweckgebunden? Mit Leonard teilt er sich zum Beispiel Miete und Benzinkosten. Und mit Barry Kripke versucht er sich anzufreunden, um Rechenzeit am neuen Supercomputer zu ergattern. Man lernt anschließend, dass Aristoteles überraschenderweise Sheldons Freundschaft mit Penny am höchsten einschätzen würde, da es hier weder für Penny noch für Sheldon um bestimmte Vorteile geht.

Anhand von Sheldons Dialogen mit seiner Mutter wird besprochen, wie sich Religion und Wissenschaft zueinander verhalten, Wil Wheaton dient als Ausgangspunkt, um sich Gedanken über das Böse in der Welt zu machen. Und auch die Mädels, die im Laufe der Serie eine immer größere Rolle spielen, werden nicht vergessen und die Geschlechterbilder der Serien werden diskutiert.

Alles in allem interessante Fragen, die im Buch angerissen werden. Das ist aber auch das Problem: Sie werden meist nur andiskutiert. Ein richtig gutes Bild vom Szientismus oder von Aristoteles‘ Vorstellungen zur Freundschaft habe ich aber leider nicht erhalten. Ich glaube, dass man gerade an dieser Fernsehserie Wissenschaft und Philosophie sehr gut hätte vermitteln können. Besonders gut ist das aber nicht gelungen…

Wer wissen will, wie man anhand einer TV-Serie auf unterhaltsame Weise abstrakte Wissenschaft vermitteln kann, sollte mal einen Blick in „Homers letzten Satz“ von Simon Singh werfen. Viele der Simpsons-Autoren haben einen mathematischen Background und machen immer wieder mehr oder weniger versteckte Anspielungen in den Simpsons-Episoden. Diese nutzt Singh, um den mathematischen Hintergrund zu erklären. Das war in jedem Fall eines der kurzweiligsten Sachbücher, die ich letzten Jahre gelesen habe (und außerdem gibt’s mehrere Kapitel über das nerdige „Futurama„!).

Vielleicht hatte Singh aber auch nur den Vorteil, dass er sein Buch als Monographie schreiben und sich den Problemen einigermaßen ausführlich widmen konnte, während das BBT-Buch wie viele andere Anthalogien darunter leidet, dass man sich ständig auf neue Autoren einstellen muss…

PS. Der Untertitel des Blogs ist übrigens von BBT inspiriert. In der Folge „Business im Wohnzimmer“ erklärt Sheldon, dass er als Physiker Experte ist für das Universum und alles was sich darin befindet.

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